Dozent & Studierende im 3D-Drucklabor

Vorgehensweise

Zu Beginn eines solchen Projekts muss überlegt werden, was eigentlich konkret erreicht werden soll. Ziele können z.B. sein, den (Liefer)verkehr zu verringern, CO2-Emissionen in der Stadt zu reduzieren oder auch den Einsatz elektrifizierter Fahrzeuge voranzutreiben.
Abhängig von der Idee, die Potential verspricht, müssen verschiedenste Dinge analysiert werden. Die Ist-Analyse soll aufzeigen, ob ein falscher Eindruck erweckt wurde (doch kein Potential) oder die Annahme bestätigt (Potential vorhanden) werden kann.

Besteht die Idee beispielsweise darin ein Hub einzurichten, von dem aus die einzelnen Unternehmen beliefert werden sollen, ist es unerlässlich den tatsächlichen Güterstrom zu analysieren. Dies ist sinnvoll um erkennen zu können, ob genügend Warenbewegungen vorhanden sind, um wirtschaftlich sinnvoll arbeiten zu können.

Was letztendlich eruiert werden muss, lässt sich also nur von der entsprechenden Idee ableiten. Wir zeigen hier einige Punkte auf, die möglicherweise relevant sein könnten, ggf. aber auch unerheblich sein können und deshalb auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben.

1. Aller Anfang ist schwer - Informationsbeschaffung

Zu Beginn sollte unbedingt ein Überblick über die Stadt/Gemeinde geschaffen werden, da verschiedene Rahmenbedingungen für die Einführung entsprechender Maßnahmen wichtig sein können.
Sofern keine eigenen Ortskenntnisse bestehen ist es unabdingbar, mit ortsansässigen Vertretern (Bürgermeister, Stadtrat, Unternehmer, etc.) in Kontakt zu treten, da diese oft einen sehr guten Einblick in lokale Problemfelder haben.
Zusätzlich ist es ratsam, gewisse Eckdaten zu recherchieren. Durch Kennzahlen wie

  • Größe des Ortes
  • Einwohnerzahl (evtl. auch pro qm)
  • Demografie
  • Art der Stadt (Industriestadt, Studentenstadt, etc.)
  • Besondere Merkmale (z. B. Typografie, Ballungsgebiet der Einzelhandelsgeschäfte, Branchen, etc.)
  • Einzugsgebiet

wird ein erster Überblick geschaffen, der einerseits hilft Ideen zu generieren und anderseits aufzeigt, welche Überlegungen von vornherein wieder verworfen werden müssen.
Des Weiteren müssen Informationen über rechtliche Rahmenbedingung (v.a. auch im Bereich der Infrastruktur, z.B. Fahrverbote für einzelne Fahrzeugtypen) eingeholt werden.

2.       Ideensammlung

Nachdem die örtlichen Gegebenheiten – und vor allem auch Problemfelder – bekannt sind kommen Ideen, wie die Situation verbessert werden kann, meist schon von allein. Sollte das nicht der Fall sein sind unter dem Punkt „Wie können Ideen generiert werden?“ einige Methoden aufgelistet, die helfen können eine geeignete Idee zu finden.

Wenn mehrere geeignete Konzeptideen vorliegen, muss nun geprüft werden, welche davon das höchste Potential unter den gegebenen Bedingungen hat.

Nun gilt es die Idee auszuarbeiten und ein Grobkonzept zu erstellen. Diese erste Darlegung der Idee sollte folgende Punkte enthalten:

  • Vorgehensweise
  • Organisation
    • Verantwortlichkeiten
    • Zeitplan (welcher Zeitraum steht für die Planung und Durchführung zur Verfügung, welche Meilensteine müssen wann erreicht sein?)
    • Finanzierung (auf welche Summe werden sich die anfallenden Kosten etwa belaufen und wer finanziert das Vorhaben?)
    • Partner (wer muss und wer sollte mit ins Boot geholt werden?

3.       Ist-Analyse

Der nächste schlüssige Schritt in der Vorgehensweise ist jetzt – je nach Idee – eine Ist-Analyse durchzuführen, um die aktuelle Situation zu bewerten und vermutetes Potential (im besten Fall) zu verifizieren.

Wenn vermutet wird, dass mit der Errichtung eines Hubs CO2 eingespart werden kann, gilt es den Lieferverkehr zu analysieren und die tatsächlichen Paket bzw. Paletten ein- und -ausgänge aufzunehmen.
Im Zuge dieser Erhebung sollte nach Möglichkeit auch gleich die Teilnahmebereitschaft der ortsansässigen Unternehmer mitabgefragt werden. Denn selbst wenn die Wirtschaftlichkeitsrechnung erfolgversprechend aussieht, kann ein derartiges Konzept ohne die Beteiligung der örtlichen Akteure nicht durchgeführt werden.

Verläuft die Ist-Analyse positiv, kann der nächste Schritt erfolgen. Zeigt die Ist-Analyse jedoch, dass das vermutete Potential zu gering ist, sollte an dieser Stelle abgebrochen bzw. die nächste Idee in Angriff genommen werden.

4.       Partner akquirieren

Die meisten Ideen sind alleine nicht zu stemmen, deshalb gilt es nun geeignete Partner zu finden. Überwiegend wird es sich hier um ortsansässige Unternehmen (v.a. Speditionen/Händler) handeln. Auch die Einbeziehung der öffentlichen Stellen (Stadt, Landratsamt) sollte forciert werden, u.a. da eine enge Zusammenarbeit hier Tor und Tür öffnen kann. Wichtig ist, mit den potentiellen Partnern das persönliche Gespräch zu suchen, um das Projekt überzeugend darlegen zu können und offene Fragen zu klären.

5.       Detaillierte Ausarbeitung

Sobald die notwendigen Partner ihr Interesse bekundet haben ist die erste große Hürde überwunden. An dieser Stelle sollte nun in enger Absprache mit allen Beteiligten und unter Beachtung neuer Wünsche und Anregungen ein detailliertes Konzept ausgearbeitet werden. In dieser Projektphase sind beispielsweise konkrete Angebote einzuholen, ggf. Stellen auszuschreiben und ein konkreter Zeitplan inkl. Meilensteinen zu erstellen.

6.       Praxisversuch

Jetzt sollte in einer ersten Testphase erprobt werden, ob sich das Konzept im Realbetrieb bewährt.

Darunter kann, neben allen nötigen Aufgaben zur Vorbereitung, Durchführung und Begleitung des Praxisversuchs, auch eine entsprechende Marketing-Kampagne fallen.

7.       Fortschrittsbetrachtung und Ergebnisbewertung

Während der Praxisphase muss der Fortschritt beobachtet werden, bei Bedarf sind Anpassungen vorzunehmen. Nach Abschluss des Pretests gilt es die Ergebnisse auszuwerten. Von besonderem Interesse sind hier vor allem Erkenntnisse bezüglich Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit, da diese beiden Punkte für einen dauerhaften Fortbestand des Konzepts essentiell sind.

8.       Einführung des Konzepts

Anhand der gewonnenen Daten kann nun entschieden werden, ob eine langfristig sinnvolle Etablierung durchgeführt werden kann.


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