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Wie krisensicher ist Ihr Unternehmen? FHWS-Masterstudierende entwickeln mit der IHK ein Online-Tool für Unternehmen zum Testen

22.04.2021 | FWiWi
Mit Checklisten und Handlungsbedarfsmatrix können mittelständische Unternehmen ihre Firmen prüfen und erhalten Tipps

Wie überwinden Unternehmen die Krisenzeit – dieser Frage stellten sich Studierende des Masterstudiengangs Innovation im Mittelstand (i2m) an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise beschäftigten sie sich mit robusten Geschäftsmodellen und stellten sich mit der Unterstützung von Professor Dr. Gerhard Hube und Oliver Freitag, Bereichsleiter für Innovation und Umwelt der IHK Würzburg-Schweinfurt, dem Aspekt, wie im Mittelstand ein Geschäftsmodell möglichst robust aufgestellt werden kann. Nach der ersten Präsentation zum Semesterabschluss vor FHWS-Publikum und einzelnen Unternehmensvertreterinnen und -vertretern stellte ein studentisches Team im Rahmen der Netzwerkveranstaltung „Robuste Geschäftsmodelle in Krisenzeiten“ der IHK Würzburg-Schweinfurt ihren für den Mittelstand entwickelten Prüfstand rund sechzig interessierten Teilnehmenden vor.
Das Studierendenteam präsentierte die einzelnen Schritte und das Vorgehen bei der Erstellung des Prüfstandes. Den Prüfstand selbst und dessen einzelne Bestandteile wie Checklisten und eine Handlungsbedarfsmatrix erläuterten die Studierenden anhand eines Beispiels mit einem fiktiven mittelständischen Dienstleistungsunternehmen aus dem unterfränkischen Raum. Zu Beginn muss je nach Unternehmen zwischen der Checkliste für das produzierende Gewerbe und der für Dienstleistende gewählt werden. Anschließend kann der Prüfstand gestartet werden. Es sind einzelne Kriterien aus den Bereichen Kunden, Lieferanten, Wertangebot, Personal, Infrastruktur und Unternehmensplanung auf einer Skala von 1 (trifft nicht zu) bis 5 (trifft in vollem Umfang zu) für das Unternehmen zu bewerten. Zu diesen Kriterien gehören beispielsweise die kontinuierliche Verbesserung der Kundenorientierung, die Durchführung von jährlichen Lieferanten-Audits, die Abstimmung des Wertangebots auf die Kundenbedürfnisse oder die Festlegung eines Krisenstabs.
Weichen die Werte in einer Kategorie besonders von den Sollwerten ab, so werden diese dem Anwender direkt mit einer roten Ampel und dem Hinweis prüfen angezeigt. Zusätzlich ist ein genauer Vergleich mit allgemeinen Soll-Empfehlungen, angepasst auf Dienstleistungsunternehmen oder das produzierende Gewerbe möglich. Mithilfe von Pfeilen kann im nächsten Schritt direkt zu einem Netzdiagramm navigiert werden. Dieses veranschaulicht die Abweichung der Ist-Werte des Unternehmens mit den empfohlenen Soll-Werten. Auf diese Weise können Handlungsbedarfe schnell identifiziert werden. So wurde beim Beispielunternehmen der Studierenden schnell Defizite im Bereich Infrastruktur deutlich. Anschließend können auf jeweils eigenen Tabellenblättern für die einzelnen Kategorien und Kriterien konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmenziele detailliert betrachtet werden. Hier bietet das Tool die Möglichkeit, deren jeweilige Umsetzung direkt zu priorisieren. Unterstützend hierzu wird die Einfachheit der Umsetzung auf einer Skala zwischen 0 (gering) und 9 (hoch) Punkten angezeigt. Ebenso wird aufgezeigt, welche Größen wie beispielsweise Umsatz oder Materialkosten das jeweilige Kriterium beeinflusst sowie dessen Wirkung auf das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung. Um die Maßnahmen besser planen zu können, bietet das Tool neben deren Priorisierung Platz, den Zeitaufwand für das jeweilige Unternehmen zu definieren sowie direkt Verantwortliche hierfür zu hinterlegen. Gleichermaßen bietet das Tool eine Matrix, welche die einzelnen Handlungsbedarfe nach deren Bedeutung für das Unternehmen und der Einfachheit ihrer Umsetzung einordnet. Damit ist es möglich, schnell „Quick Wins“, welche einfach in der Umsetzung sind und einen großen Einfluss erzielen, zu identifizieren und deren Umsetzung voranzutreiben. Auf diese Weise sollen die Unternehmen dabei unterstützt werden, ihr Geschäftsmodell gezielt robuster zu gestalten.
Ergänzt wurde die Veranstaltung von einem Vortrag zum Thema Risikomanagement und Krisen von Professor Dr. Werner Gleißner. Darüber hinaus gab Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende der Warema SE, Einblicke in die Unternehmenspraxis rund um das Thema Krisenmanagement und zeigte Erfahrungen aus der Corona-Krise auf.
Der vom Masterstudiengang konzipierte Prüfstand ist auf der https://fwiwi.fhws.de/master-innovation-im-mittelstand/i2m-tools/ abrufbar. Zusätzlich wird ein kurzes Erklär-Video veröffentlicht, das die Nutzung des Prüfstandes zeigt.